Zu Gast auf dem ersten digitalen Javaland

Nach einer längeren Pause hab ich mir endlich mal wieder einen Konferenzbesuch gegönnt, und zwar die Javaland ’21. Pandemiebedingt fand diese komplett remote statt – ein Novum für das Javaland. Letztes Jahr hat es dazu nicht mehr gereicht, da die Pandemie just im Zeitfenster der Javaland begann und die Konferenz daher recht kurzfristig ausfallen musste.

Vorbereitung

Mit dem kompletten Wegfallen der Planungen für Reise, Hotel etc. hat sich meine Vorbereitung diesmal darauf beschränkt, den Zugang zur Online-Konferenz-Plattform zu überprüfen. Ich habe das auf den letzten Drücker – sprich am Vorabend – erledigt, was aber nicht zum Problem wurde: es hat alles wunderbar geklappt! Allerdings war lediglich der Konferenz-Schedule einsehbar, die Online-Plattform Gather.Town zum Socializen war noch nicht geöffnet. Mit dem Zurechtlegen eines Plans für die ersten paar Vorträge hab ich’s dann dabei belassen.

Der schwere Start

Am nächsten Morgen gegen 8:40 wollte ich mich dann einloggen, um mich rechtzeitig zum Opening Event einzufinden. Dabei musste ich feststellen, dass die Konferenz-Plattform praktisch offline war. Offenbar war die Infrastruktur dem Ansturm nicht gewachsen. Zum Glück hatte unser Kollege honnel bereits Links für den Videostream des Opening Event sowie Gather.Town ergattert. Damit konnte ich zumindest diesen ersten Teil mitverfolgen. Die Konferenz-Plattform blieb allerdings offline bis kurz vor 11:00, dem Startzeitpunkt des ersten Vortrags-Slots. Und auch dann war sie nur rudimentär erreichbar. Allerdings war es nun möglich, auf den Schedule zurückzugreifen sowie die virtuellen Veranstaltungs-”Orte” zu erreichen. Die Konferenz konnte also im Notbetrieb starten. Im Laufe des Tages hat das Team offenbar viel gewerkelt, denn gegen 15:00 konnte ich feststellen, dass die Konferenz-Plattform nun wieder lief. Sie war jetzt auch recht stabil. Ca. 10-20% der Seitenaufrufe gingen zwar noch schief, aber man kam ans Ziel.

Was sich allerdings durch den ganzen ersten Tag zog, war eine Instabilität bei der gewählten Video-Streaming-Plattform (ihr Name ist mir entfallen). Der Effekt waren stehen bleibende Videospuren und Sprünge im Audio, bis schlussendlich der komplette Stream einfror. Ein Neuladen der Seite bzw. Stopp-Start-Zyklus des Streams half, allerdings hat man dadurch Teile der Talks verpasst. Etwas schade, wollte man doch eigentlich „live“ dabei sein. Hier bleibt nur zu hoffen, dass zumindest die Aufzeichnungen der Streams nicht betroffen sind, sodass man sich den einen oder anderen Talk im Nachhinein nochmal zu Gemüte führen kann. Mit dem zweiten Tag waren diese Probleme Geschichte, da für die Videostreams aller Veranstaltungs-”Orte” auf die Plattform Vimeo gewechselt wurde. Diese kam mit der Last bis auf einen kleinen Aussetzer nachmittags problemlos zurecht.

Die Vorträge

Die Keynote zu Beginn der Konferenz, “The value of learning and sharing”, bestand aus einem Motivator, sich ebenfalls in die Java-Community einzubringen. Und dieser war recht gut gelungen: lustig vorgetragen, mit Anekdoten hier und dort, und gespickt mit persönlichen Erfahrungen des Speakers Bert Jan Schrijver.

Auch die regulären Vorträge (zumindest die von mir gewählten) waren von guter bis sehr guter Qualität. Sehr positiv fand ich hierbei auch, dass die Themenauswahl recht weit gestreut war. Von Maven bis zur ethischen Diskussion künstlicher Intelligenz konnte man recht viele Eindrücke sammeln. Aber wie bei jeder Konferenz ist die Reizüberflutung ohnehin vorprogrammiert. Mir kommt da vor allem der Fünf-Tages-Behemoth Devoxx Belgien in den Sinn… Ich werde daher wohl auch diesmal ein halbes Jahr von den Eindrücken zehren können, bis ich alles aufbereitet habe, was mir wirklich wichtig ist.

Allgemein ist mir der kurze Zeitslot von 40 Minuten noch in Erinnerung. Manchmal hat dieser nur gerade so gereicht, ein Thema zu beleuchten. Auf der anderen Seite gab es dadurch insgesamt mehr Vorträge und damit mehr Themen und Eindrücke, die ich mitnehmen konnte. Etwas erschlagen wurde ich auch von der schieren Anzahl paralleler Vorträge. Es wurden teilweise neun Talks gleichzeitig angeboten, die Community-Events nicht eingerechnet. Das hat mir die Wahl des “Live”-Talks nicht immer leicht gemacht. Da es jedoch Aufzeichnungen zu allen Talks geben soll ist das nicht soo tragisch.

Meine Favoriten: Natives Enterprise Java auf der GraalVM

Besonders gefallen hat mir, dass ich mir natives Enterprise Java in zwei Welten ansehen durfte. Zunächst hat Thilo Frotscher live eine MicroProfile-App mit Quarkus auf der GraalVM demonstriert. Der krönende Abschluss war eine recht kleine Binary, welche in Millisekunden startet! Er hat es sich auch nicht nehmen lassen anzumerken, dass man bei Spring noch nicht so weit ist. Umso amüsierter war ich darüber, dass Martin Lippert zwei Slots später dann doch noch Spring Boot auf der GraalVM vorgestellt hat. Basis war hier eine gerade mal eine Woche alte Alphaversion – touché! Zugegebenermaßen ist der Entwicklungsstand noch nicht so weit wie bei der MicroProfle-Fraktion und deckt auch noch nicht alle Spring-APIs ab. Es sind aber bereits viele unterstützt und man kann den Stand bereits öffentlich testen. Eine wirklich ausführliche Anleitung hierzu gab’s im Talk. Zudem hat sich Martin viel Zeit genommen, die Grundlagen zur GraalVM detailliert zu erläutern. Sehr gelungen!

Das Rahmenprogramm

synyx in Gather.Town der Javaland '21

An beiden Tagen gab es vormittags ein Event namens “Frühstücksfernsehen”, welches von Sandra Parsick und Hendrik Ebbers moderiert wurde. Weiterhin wurden diverse Community-Events angeboten, vom Mob Programming über Kurse bis zu den obligatorischen “Meet the JUGs”. Alles in allem hat das für recht viel Abwechslung gesorgt. Und wenngleich ich mich persönlich maßgeblich in die Talks gestürzt habe bin ich mir sicher, dass das breite Angebot für wirklich jede(n) etwas bereithielt.

Begleitet wurden Teile der Events sowie die Pausen dazwischen mit der Plattform Gather.Town. Dort wurde von den Konferenz-Organisatoren ein Veranstaltungsort für die Konferenz nachgebildet, in welchem man sich mit seinem Avatar frei bewegen und mit allem und jedem interagieren konnte. So war es beispielsweise möglich, die virtuellen Vortrags-”Orte” in Form von Sälen aufzusuchen. Dort konnte man mit den Vortragenden im Anschluss weiter quatschen, etwa um zu kurz gekommene Q&A-Zeitslots in den Talks zu ergänzen. Oder auch einfach mit anderen Besucher*innen ins Gespräch kommen. Das ging im Chat, aber auch in ad-hoc gestarteten Videokonferenzen. Es gab auch Arbeitsinseln mit Whiteboards, welche man für Diskussionen nutzen konnte. Oder man besuchte einfach mal einen Spielautomaten, um bei einer Runde Daddeln etwas auszuklinken, bevor es zum nächsten Programmpunkt geht.

Auch die Sponsoren kamen nicht zu kurz: nicht nur hatte jeder von ihnen einen Messe-Stand-Platz auf dem virtuellen Areal, an welchem man sich über Technik, Produkte oder vielleicht auch den nächsten Job informieren konnte. Es war ihnen eben auch möglich, sich durch ein Anhängsel am Namen des Avatars als Mitarbeiter*in eines Sponsors erkennbar zu machen und somit ganz ungezwungen mit Besucher*innen ins Gespräch zu kommen.

Fazit

Die Javaland 2021 ging definitiv mit zwiespältigen Gefühlen zu Ende. Auf der einen Seite gab es super Vorträge, und aller Voraussicht nach wird es auch möglich sein, sich die restlichen Vorträge nachträglich anzusehen. Auch die virtuelle Umgebung in Gather.Town hat viel dazu beigetragen, dass einem nicht langweilig werden musste. Auf der anderen Seite ist ein fast kompletter Ausfall der Infrastruktur mit Ausnahme des initialen Streams nicht gerade der beste Einstieg. Hier hätte mit etwas defensiverer Vorausplanung sicher vorgesorgt werden können, immerhin war die Teilnehmerzahl bekannt. Mit einem technisch geplagten ersten von zwei Tagen bleibt daher ein bitteres G’schmäckle dieser Konferenz, die immerhin mit über 300 Euro zu Buche schlug.

Aber langfristig bleiben sicher eher die vielen guten Vorträge in Erinnerung. Daher an dieser Stelle schon mal: viel Erfolg bei der Organisation der Javaland ’22, die gern auch wieder digital begleitet werden darf!