PRESSE

Open Source: Experten diskutieren in Videokonferenz
(Jan. 13)

Markus Henkel

Open Source? Was ist das eigentlich? Mit dieser Eingangsfrage eröffnete der Journalist Markus Henkel die Open Source goes Hangout-Videokonferenz am 16. Januar 2013. Joachim Arrasz, IT-Punk und Chief Technical Engineer der synyx GmbH & Co. KG http://synyx.de in Karlsruhe, hatte zu dieser lebhaften Runde eingeladen. Neben der vorherrschenden unübersichtlichen Lizenzpolitik nahmen die Experten den Begriff selbst, dem ein vermeintlich kostenloser Charakter anlastet, fachkundig unter die Lupe.

Warum sehen viele Nutzer in Open Source grundsätzlich einen kostenlosen Hintergrund? Wie, mit OSS kann man Geld verdienen? Moment, was beschreibt der Begriff Open Source eigentlich?

Open-Source-Software, kurz OSS, ist mittlerweile ein dehnbarer Begriff geworden. Was sich damals, Ende der 1990er Jahre entwickelte, glich einer technischen Revolution. Die Firma Netscape legte den Quellcode des Internet-Browsers offen. Open Source war geboren. Eine Gruppe von Entwicklern formte kurz darauf die Open-Source-Initiative (OSI) und veröffentlichte erstmals eine Open-Source-Definition. Die OSI pflegt noch heute diese Open-Source-Definition und zertifiziert Software-Lizenzen, die der Definition entsprechen. Doch nach über zehn Jahren Entwicklung sieht die Realität so aus: Dank der unzähligen Lizenzen blickt kaum noch jemand durch. Und der herkömmliche Nutzer hat dabei das Nachsehen. Was damals schon falsch interpretiert wurde, ist heutzutage leider nicht richtiger. In Sachen Open-Source-Software sprechen die meisten Nutzer gerne von einer kostenlosen und rebellischen Kultur. Dem ist allerdings nicht so.

Google Hangout: Experten-Runde diskutiert Thema Open Source

Der Chief Technical Engineer Joachim Arrasz vom Open-Source-Spezialisten synyx GmbH & Co. KG hat genau wegen dieser Fehlinformation zu einer kostenlosen Videokonferenz via Google Hangout geladen. Mit ihm diskutierten unter anderem der Entwickler Martin Thielecke von der Version zwei GmbH in Hamburg-Wedel sowie der Hangout-Spezialist und selbsternannter Googlenaut Moritz Tolxdorff. Und gleich zu Beginn erörterten die Entwickler die möglichen Ursachen dieser allzu beliebten Fehleinschätzung, Open Source wäre grundsätzlich kostenlos. Joachim Arrasz beispielsweise sieht das Ganze als Bewegung, als einen Versuch, ursprüngliche Quellen zur Verfügung zu stellen. „In unserem Bereich bedeutet das, dass wir mit der Software auch den dazugehörigen Code, die Source, dem Kunden oder dem Nutzer zur Verfügung stellen. Die Software bekommt von uns eine entsprechende Lizenz, unter der die Software dann weiterverarbeitet werden darf." Arrasz betont dabei, dass es sich nicht zwingend um Software handeln muss. „Speziell aus der künstlerischen Ecke, beispielsweise aus dem Musik- und Text-Segment, kommen viele Open-Source-Projekte."

Neben den Vorteilen von Open Source, gibt es eigentlich auch Nachteile?

Nicht wirklich, so der gemeinsame Konsens der Expertenrunde. Lediglich bei der Lizenzpolitik wünschen sie sich Verbesserungen. Im undurchsichtigen Dschungel von Lizenzen müsse endlich Ordnung geschaffen werden. „Alle Beteiligten müssen sich endlich an einen Tisch setzen und Lizenzen vereinfachen, einige Software-Arten vielleicht sogar verschmelzen lassen", bestätigt Moritz Tolxdorff die Problematik. Hat man den Lizenz-Dschungel ein wenig verstanden, geht kein Weg an OSS vorbei. Da ist sich auch Martin Thielecke sicher. Der Entwickler wünscht sich für die Zukunft viele neue Open-Source-Projekte. Mahnt aber auch: „Entwickler müssen darüber nachdenken, ob eine Software ausschließlich besser wird, wenn man sie verkaufen kann."

Sei es drum. Alle Beteiligten sind sich einig: Open Source hat in Sachen Software nur Vorteile, egal ob Unternehmen oder öffentliche Einrichtungen. Der Kostenfaktor sowie die Flexibilität sind dabei die schlagenden Argumente. Dass das Thema mehr als interessant ist, zeigten hunderte Zuschauer, die live dabei gewesen sind.

Über Google Hangout:

Die Videokonferenz per Google Hangout steht seit geraumer Zeit kostenlos im Internet zur Verfügung. Damit der Video-Chat überhaupt so flüssig abläuft, bietet die Suchmaschine eine Reihe von praktischen Apps, etwa für die Bildschirmfreigabe, die lädt zur Zusammenarbeit in Google Docs und zum gemeinsamen Ansehen von Präsentationen und Diagrammen ein. Der Nutzer benötigt zum Mitmachen lediglich einen Google-Account mit Verknüpfung zum sozialen Netzwerk GooglePlus – in der Praxis nur wenige Klicks. Alles kostenlos, versteht sich. In unserem Fall lauschten hunderte Personen der Konferenz Open Source goes Hangout.